„Wein ist kein Mysterium!“

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Wein ist für sie eine nie endende Entdeckungsreise – Ina Finn liebt und lebt das Thema rund um die Traube mit jeder Faser ihres Körpers. Seit kurzem leiht die gelernte Sommelière auch DELINERO ihre Stimme und teilt ihr Wissen rund um das Thema Wein mit anderen Weinexperten und jenen, die es werden wollen. Wir haben mit ihr über das „Geschwafel der Weinwelt“, ihren provokanten Buchtitel und die Vorteile des Klimawandels gesprochen. 


Frau Finn, was hat es mit Ihnen und der Villa Verde auf sich?

Ich biete hier vor allem Genussabende an: Weinabende, auch mit Spirituosen, wie Gin, Whiskey oder Rum, der Schwerpunkt liegt aber vor allem beim Wein. Das richtet sich an den Weingenießer, aber auch an den Weinfreund, der keine „abgedrehte“ Vorstellung vom Wein hat.

Was ist Ihre Motivation, den Menschen den Wein näher zu bringen?

Wein ist kein Mysterium, sondern ein wundervolles Genussmittel, das mit Kultur und diverser Küche zu tun hat. Da bin ich doch ziemlich detailverliebt und suche mit Freude die passenden Verbindungen zusammen. Ich denke, dass man relativ einfach einen Weg in die Weinwelt vermitteln kann. Für mich ist es immer schön, den Leuten verschiedene Dimensionen zu zeigen – verschiedene Ebenen vom Einstieg bis hin zu einer höheren Qualität, was nicht immer bedeutet, dass ein Wein teuer sein muss!

Ihr Stil, Weine erfrischend, direkt und auf den Punkt gebracht zu beschreiben, zeichnet Sie aus und unterscheidet Sie von vielen anderen Kritikern. Haben Sie sich bewusst für diesen Stil entschieden?

Ich habe ganz einfach tagtäglich mit den Menschen zutun, die den Wein am Ende trinken und genießen und das Geschwafel, das in der Weinwelt oftmals benutzt wird, nicht nachvollziehen können. Das ist oftmals völlig geschwollenes Gerede. Ich versuche mir vorzustellen, welche Angaben dem Weingenießer in dem entsprechenden Moment helfen und womit er etwas anfangen kann. Mein Stil ist einfach „down to earth“, nicht dieses merkwürdige Beschreiben von Wein, womit die meisten – selbst die Fachleute – am Ende nichts anfangen können.

Das Metier der Weinkritik gilt noch immer zu großen Teilen als Männerdomäne. Kommt es vor, dass Sie dort ab und zu auf Gegenwind stoßen oder wurden Sie immer mit offenen Armen in der Welt der Sommeliers und Weinkritiker aufgenommen?

Ich kann nicht behaupten, dass ich irgendwelche nachteiligen Erfahrungen gemacht hätte. Es ist ein starker Wandel in der Branche zu verzeichnen und schon lange nicht mehr so, dass dort nur die Männer unterwegs sind. Dieses Metier wird immer weiblicher. Es gibt heute in Europa viele erfolgreiche „Weinfrauen“ –Winzerinnen, Sommelières, Ein- und Verkäuferinnen… Die Weinkritik ist also längst keine einzige Männerdomäne mehr. Amtraq Shooting 2014

„Weinwissen“ lautet der Titel Ihres Buches, dass 2013 erschienen ist. Darauf findet sich der etwas provokante Hinweis: „In 2 Tagen zum Kenner“. Welches Feedback haben Sie bisher bekommen?

Viele sind der Meinung, dass es ein sehr kompaktes Buch ist, das auf die Schnelle einen sehr schönen Überblick über das Thema Wein gibt. Ich bin eben immer an der „Basis“ mit den Leuten, die den Wein einfach nur trinken, kein großes Bohei darum machen und ein bisschen Hilfestellung suchen. Die wollen sich keine dicke Schwarte hinlegen und durchblättern, sondern einen schnellen Überblick mit verständlichen Worten. Das war auch immer mein Wunsch. Dann bin ich vom Hallwag-Verlag gefragt worden, ob ich zu genau diesem Thema ein Buch schreiben kann, das war also eine glückliche Fügung. Natürlich ist „In zwei Tagen zum Kenner“ etwas provokant formuliert, es ist aber nicht unrealistisch. Das Buch ist aufgebaut wie eine Weinprobe und wenn man es tatsächlich macht, wie wir es beschrieben haben, kann man das in der Tat in zwei Tagen schaffen. 

Seit Kurzem beschreiben Sie auch exklusive Weine aus dem Sortiment von DELINERO. Was hat Sie davon überzeugt, mit DELINERO zusammenzuarbeiten?

DELINERO ist eine schöne Plattform für Genussmittel. Denn was noch rar gesät ist, ist die Möglichkeit, tolle Feinkost aus allen Ecken der Welt zu bestellen. Das Sortiment ist hier sehr, sehr gut zusammengestellt. Und als ich gesehen habe, dass schon so eine immense Auswahl an Weinen zu bekommen ist, war ich schon ziemlich überrascht. Es hat mich gereizt, dass man viele Weine aus unterschiedlichen Kategorien auswählen kann, die eine wahnsinnig gute Bandbreite abdecken.

Apropos exklusive Weine: An den Landungsbrücken stehen seit 1995 einige Rebstöcke, aus denen einige wenige Flaschen ‚Hamburger Stintfang Cuvée‘ entstehen. Was halten Sie von innerstädtischen Weinbergen und nordischem Wein im Allgemeinen?

Die Weinberge an den Landungsbrücken sind natürlich auch ein bisschen als Gag gedacht, der wird einen nicht zu größten Beifallsstürmen hinreißen. Außerdem ergeben die Trauben nur sehr, sehr wenige Flaschen. Fakt ist aber, dass wir voll im Klimawandel stecken und die Gebiete, die nördlich liegen, davon profitieren. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Weinanbauflächen immer mehr gen Norden rücken. Deswegen stehen Weinberge auf Sylt und im Süden Dänemarks, die Südengländer würden gerne immer mehr Reben pflanzen – es gibt also eine deutliche Tendenz des Weinbaus gen Norden.

Stichwort Klimawandel: Wie wirken sich die Veränderungen des Klimas auf den Weinbau im Allgemeinen aus?

Es ist eine extreme Herausforderung für die Winzer, mit den Jahrgängen entsprechend umzugehen. Eigentlich gibt es jedes Jahr wieder irgendwelche Besonderheiten, die die Weinbauern zu stemmen haben. Früher war es einigermaßen berechenbar, wie Jahrgänge verlaufen. Natürlich gab es immer Jahrgangsunterschiede, aber nicht diese Extreme. Das fordert die Winzer und bedeutet, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Denn dass Qualitätswinzer auch in schwierigen Jahrgängen gute Weine machen können, ist ein hohes Investment. Da ziehe ich meinen Hut vor! Amtraq Shooting 2014

Gibt es aktuell nennenswerte Trends in der Weinbranche, die sie begeistern?

Was mich fasziniert, sind vor allem Weine, die auf sehr natürliche Weise hergestellt werden, sprich, biodynamischer Weinbau. Heute geht auch ein neuer Trend in die Richtung Wein, wie vor vielen, vielen Jahren herzustellen. Diese sehr natürlichen Amphoren-Weine würden den normalen Weintrinker anfangs sicherlich überfordern.

Was inspiriert Sie, wenn es um die Auswahl von Wein geht?

Am liebsten mag ich Weine, die Ecken und Kanten haben, die nicht zu „gemacht“ sind. Und das führt wiederum dazu, dass die Weine, die ich mag, sehr natürlich und belassen hergestellt werden. Ich finde es einfach faszinierend, wenn man einen Wein genießt und er sich im Laufe des Trinkens verändert und immer wieder neue Facetten zeigt. Das ist meist nur mit Weinen möglich, die die besagten Ecken und Kanten haben.

Zu guter Letzt – welcher Wein ist Ihr „All-Time-Favorite“?

Den gibt es nicht. Es ist, wie jeder wahrscheinlich nachvollziehen kann, tagesformabhängig, saisonal abhängig, anhängig von dem, was ich essen möchte, was ich koche. Ich koche sehr gerne und da gibt es überhaupt keine Präferenz zu dem einen oder anderen. Die Weinwelt ist so unglaublich vielseitig, dass ich mich niemals auf einen Wein festlegen wollte und könnte.


Vita: – Ausbildung zur Hotelfachfrau im Europäischen Hof, Hamburg – zwei Jahre als Sommelière im Hotel Louis C. Jacob in Hamburg – Weingut Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe in Meissen – erstklassige siebenmonatige Praxiserfahrung im Weingut “Au Bon Climat, Jim Clendenden“ im Santa Maria – Valley, Kalifornien – seit 2002 selbstständig mit Weinkonzepte Ina Finn – seit Dezember 2004 “Weinakademikerin“ der Weinakademie Österreich/WSET Wine & Spirit Education Trust – diverse Fachjurys, wie z.B. “Der Feinschmecker“ oder “Stern“ begleitet sie seit Längerem und hat immer wieder das Vergnügen, mit Kollegen die unterschiedlichsten Weinherkünfte zu testen – seit 2006 eigener Wein-Veranstaltungsraum – Villa Verde – seit 2012 ist die Villa Verde Schulungsort der Deutschen Wein-und Sommelierschule

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. genialeweine sagt:

    Vielen Dank für den Beitrag. In der Tat: Wein ist kein Mysterium, Wein ist ein Genuß!

    Gefällt mir

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