Winzer-Tour durch Südafrika Tag 2 – Teil II

So sehr es auch schmerzt, das riesige Weingut von Boschendal hinter sich zu lassen – schon beim Einfahren auf das Anwesen von Kanonkop spürt man, dass es sich bei diesem Weingut um ein ganz besonderes handelt. Und keine Sorge, der Name bezieht sich nicht auf einen vermeintlichen Kater am nächsten Morgen, sondern bedeutet ‚Kanonenhügel‘. Denn auf dem Hügel nahe der Weinberge waren damals Kanonen platziert, die immer dann abgeschossen wurden, wenn sich Schiffe näherten. So wussten die Händler, dass sie nun besser die Beine in die Hand nahmen, um mit den Ankömmlingen ihre Geschäfte abzuwickeln. Viel entspannter geht es auf dem Weingut auch nicht zu, jedenfalls nicht während 20150202_162726_FassDaniels Aufenthalt, da momentan die Pinotage-Trauben geerntet und verarbeitet werden. Das Faszinierende dabei ist, dass hier tatsächlich noch fast alles per Handarbeit geschieht. Dies fängt bei der Aussortierung der Trauben an und endet bei der Durchmischung der gärenden Früchte, wobei zwölf Leute parallel an einem Tank stehen und die Trauben bearbeiten. Auf diese Art und Weise werden jährlich tatsächlich 1,3 Millionen Flaschen produziert. Der Vorteil dieses enormen Aufwands besteht darin, dass der Winzer sein Produkt jederzeit unter Beobachtung haben kann und stets weiß, wie weit der Wein bereits ist. Zum anderen werden dabei viele für den Geschmack entscheidende Stoffe, wie Tannine, in einem sehr frühen Stadium extrahiert. Das führt dazu, dass zum Beispiel nur sehr wenige Bitterstoffe übrig bleiben und der Wein somit auf eine höhere Qualitätsstufe gehoben wird. Und diese Qualitätsstufe schmeckt man: Los geht’s mit einem Kadette Pinotage Rosé, der laut Daniel zu den besten Rosés gehört, die er in jüngerer Zeit verkostet hat. Ein Traum zu Sushi oder gegrilltem Lachs. Das gute Preis-Genuss-Verhältnis macht ihn dabei noch sympathischer. Auch der Kadette – der Hauswein von Kanonkop – verlockt mit ansprechendem Preis und hohem Niveau. Abschließend wagt der verantwortliche Winemaker Abrie Beeslaar noch ein spannendes Experiment: Er serviert jeweils zwei Jahrgänge Cabernet, Pinotage sowie Paul Sauer, die etwa zehn Jahre auseinander liegen. Südafrikanischen Weinen wird nachgesagt, dass sie länger liegend an Qualität verlieren (oder zumindest keine hinzugewinnen), doch dieses Vorurteil wurde eindrucksvoll widerlegt. Trotz der Klasse der jüngeren Weine konnten die reiferen über die Zeit ganz eigene Merkmale ausbilden. Daniels Fazit: Die Macher von Kanonkop haben ein ganz klares Credo: Qualität. Und das sieht und schmeckt man an jeder Stelle.

 20150202_175309_Ausblick Neil Ellis

Daniel Neil Ellis
Daniel und der Winzer Neil Ellis.

Die letzte Station des Tages heißt Neil Ellis. Der Besuch beginnt mit Begrüßung und Handshake am Bus durch Neil Ellis höchstpersönlich. Der Winzer gilt als einer der bekanntesten und talentiertesten seines Fachs in Südafrika und ist ein echter „selfmade man“. Im Unterschied zu vielen Inhabern von Weingütern der Region ist er nicht in eine wohlhabende Familie hineingeboren worden und musste sich alles von Grund auf erarbeiten. Seit 1984 produziert er seine Weine, 1989 gründete er das nach ihm benannte Weingut. Dass er dennoch so erfolgreich ist, ist in Südafrika erstaunlich, denn dort heißt es unter Winzern vielsagend: „Hier in Südafrika sind auf einem neuen Weingut nur die ersten 250 Jahre schwer“. Doch allein durch seinen ungebrochenen Willen, seine Akribie und höchste Qualitätsansprüche gelang es ihm, sich auf dem hart umkämpften Weinmarkt durchzusetzen und seine edlen Tropfen auch nach Europa zu exportieren. Von den acht Weinen, die der Winemaker natürlich selbst präsentiert, haben drei einen besonderen Eindruck an Daniels 20150202_190021_TraubenGaumen hinterlassen: Der Neil Ellis Groenkloof Sauvignon Blanc 2014 sprudelt ein wenig und überzeugt durch Frische und tropische Früchte im Vordergrund. Nach einer zwei- bis dreijährigen Lagerung weiß dieser Wein sein Potential sogar noch zusätzlich zu entfalten.  Das zweite Highlight des Tages ist der Neil Ellis Amica 2013: Jasmin, Zitrone, Kräuter sowie Noten von Zitrusfrüchten vereinen sich zu einem wunderbaren Aroma, das ebenfalls von einer angenehmen Frische begleitet wird. Und wie der Name schon sagt: Mit Freunden genossen ist dieser Wein ein ganz besonderes Erlebnis. Der dritte Star des Winetastings ist der Neil Ellis Groenekloof Shiraz 2012: Feine Tannine spielen hier mit den frischen Aromen roter Beeren. Unterlegt ist das Ganze mit einer spannenden Fruchtigkeit. Daniels Gesamteindruck: Selten hat er einen solch talentierten und detailverliebten Winzer kennengelernt, der alles daransetzt, die Jahrhunderte an Vorsprung wettzumachen, die andere Weingüter vor dem seinen haben. Sein Erfolg und die Qualität seiner Weine zeigen jedoch, dass eine Geschichte nicht besonders lang sein muss, um zur Erfolgsgeschichte zu werden.


Ein spannender Tag mit vier verschiedenen Weingütern geht zu Ende. Viele Eindrücke, viel Beeindruckendes und etwa fünfzig verkostete Weine später sind wir nicht sicher, ob Daniel abends tatsächlich noch ganz nüchtern sein konnte – seine Bilder und Beschreibungen aber besprechen für sich. Für unsere Leser haben wir natürlich noch ein kleines Schmankerl in Form eines reduzierten Weins von Neil Ellis. Den findet ihr hier. Morgen geht es dann zu zwei weiteren Weingütern Südafrikas. Bis dahin wünschen wir euch eine genussvolle Zeit!

Weitere Infos zu Kanonkop findet ihr hier! Interesse an Neil Ellis? Hier geht’s lang!

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