Street Food made in Ungarn

Wenige Erfolgsgeschichten beginnen mit einem leeren Parkplatz. Die von Gábor Almási schon. Eigentlich wollte der Food-Enthusiast nur einen Stellplatz für seinen Truck finden, doch als sich der Vermieter des kleinen Hofs in der Kazinczy Straße im siebten Distrikt von Budapest weigerte, seinen Parkplatz für einen einzigen Food Truck herzugeben, war die Idee geboren. Einen Telefonanruf später hatte Almási mit dem „Zing Burger“ einen ersten Mitstreiter gefunden. Binnen kürzester Zeit folgten acht weitere Stände. Sie tragen Namen wie Berlin Canteen, Paneer, La crépe oder és társa. Kulinarisch bietet der Gourmetparkplatz vom Lángos bis zur vietnamesischen Phó ein abwechslungsreiches Spektrum an, das sich gegenüber der Konkurrenz aus Berlin oder New York behaupten kann.

Budapest

Die Nachbarschaft links und rechts der Rákóczi Straße ist als Ausgeh- und Rotlichviertel bekannt. Gleichzeitig gilt sie als Zentrum der jüdischen Kultur in Ungarn, da hier die „Große Synagoge“ mit ihren zwei Türmen in den Himmel ragt. Der Karaván Street Food Market liegt unweit des Szimpla Kert, einem Nachtclub mit Hausbesetzercharme. Nachts schiebt sich das internationale Partyvolk durch die schmalen Gassen mit den ergrauten Häuserfassaden aus der Jahrhundertwende. Manche Partynacht beginnt an einem der Tische des Karaván. Grundlage schaffen.

Die Nachtschwärmer lieben ihren Lángos und Gábor Almási ist sein Meister. Er wirft den dünn ausgerollten Hefeteig erst kurz in heißes Fett, dann bestreicht er ihn mit Sauerrahm, belegt ihn mit geriebenem Käse, Räucherspeck, Zwiebeln und streut zum Schluss ein wenig Petersilie darüber. Für umgerechnet einen Euro geht die günstigste Version des Lángos über die Theke. Die Politik der erschwinglichen Speisen hat in Ungarn Tradition, und ist vielleicht das letzte Relikt des Sozialismus. Nebenan belegen die Jungs von „Zing Burger“ ihre goldgelben Brioche-Buns mit gegrillten Rindfleischpatties, frittierten Zwiebeln, knusprigem Bacon, würzigem Käse und quetschen zum Schluss ihre hausgemachte Burgersauce großzügig darüber. Bei den Locals steht der Name „Zing“  für die ungarische Antwort auf den internationalen Burger-Hype.

Gegen 22.00 Uhr passieren die Hungrigen das Tor zum Foodheaven im Sekundentakt. Im Karaván läuft entspannte Lounge-Musik. Unter einem leuchtenden Schild mit der Aufschrift „Drinks“ versammeln sich die angetrunken Nachtschwärmer und leeren ein Craft Beer nach dem nächsten. Besonders am Wochenende kommen die Street Food-Köche ins Schwitzen. Sie brutzeln, schnippeln und frittieren 365 Tage im Jahr. Ein Zeltdach schützt den Food Market vor Regen und im Winter sorgen Heizpilze für mollige Wärme.

Langos, traditional Hungarian pancake with cheese

Nur wenige Meter vom Karaván entfernt, in der Mitte der Kazinczy Straße, floriert eine weitere Street Food-Offenbarung. Der extravagante Gaumen kommt in Bors GastroBár garantiert auf seine Kosten. Das Konzept des Ladens beeindruckt durch seine Eigenwilligkeit. Zu lauten Hip Hop Beats serviert ein aufgedrehtes Küchenteam Kokosnuss-Chilli-Kürbissuppe, Ingwer-Blaubeer-Waldfrucht Suppe mit Mandarinen Panacotta oder ein französisches Senf-Fasanen-Ragout in „Coffee to go“- Bechern. Man bestellt mit dem Vornamen, die sekündlich durch den winzigen Laden geschrien werden. Gegessen wird im Stehen, dicht an dicht mit anderen Gästen, so kommt man unvermeidlich ins Gespräch. Das Highlight der Bors GastroBár sind Baguette-Kreationen wie das French Lady Sandwich. Zwischen knusprig gegrillte Brotstangen streichen die Jungs eine süße Rosmarin-Zwiebel-Marmelade, darauf legen sie ein scharf gewürztes Stück Hähnchenbrust und vollenden das Ganze mit einer dicken Scheibe Emmentaler. Ein Bissen genügt, um diesem Genuss zu erliegen. Nach der Schlemmerei rettet oft nur der Pálinka, ein fruchtiger ungarischer Obstbrand, vor heilloser Überfüllung. Das Fazit der Street Food Stipvisite in Budapest lautet: New York und Berlin können sich warm anziehen. Die Konkurrenz kommt aus dem Osten.

Kein Wunder, dass wir von DELINERO das Land im April etwas genauer erkundet haben und die aufregendsten ungarischen Spezialitäten in unserer DELINERO-Box gesammelt haben. Aus welchen Teilen des Kontinents die Box schon Köstlichkeiten entführt und zu uns nach Hause gebracht hat, seht ihr HIER. Wie die Produkte in leckeren Rezepten aussehen, sehr ihr HIER.

Karaván Street Food Market

1074 Budapest, Kazinczy utca 18.
+36 30 343 9656

Bors GastroBár

Budapest, Kazinczy u. 10, 1075 Ungarn
+36 70 935 3263

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