Verboten gut – wie der „Moonshine“ aus Amerika nach Deutschland kam

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Diese Zeitreise führt in die 20er Jahre der Vereinigten Staaten. Sie führt in eine x-beliebige Klein- oder Großstadt auf eine der x-beliebigen, kaum beleuchteten Straßen. Hier öffnet man die Tür zu einer verbotenen Welt – zu den legendären Speakeasies. Ein Blick in das Hinterzimmer zeigt Rauchschwaden in gedämpftem Licht, rote Lippen ziehen lasziv an einer Zigarettenspitze, es duftet nach schweren Parfums. Die in Netzstrumpfhosen gehüllten Beine wippen zu den Charleston-Klängen aus dem Grammophon, das ausgelassene Gelächter bleibt hinter den geschlossenen Fenstern verborgen. Serviert wird – was wohl? „Moonshine” natürlich.

Zwei Berliner sind nun von ihrer Zeitreise zurückgekehrt, um die geschichtsträchtige Spirituose nun endlich in Deutschland zu vertreiben – auch bei Tageslicht, versteht sich.

Der Reiz des Verbotenen war schon immer ein ganz besonderer. Und so ist es vornehmlich einem gewissen Elixier zu verdanken, dass die 20er Jahre vor allem eine Zeit der Versuchung und der ausgelassenen Exzesse waren. Der „Moonshine“, wie man den illegal gebrannten Schnaps nannte, da er stets im Schutze der Nacht auf Farmen im Umland gebrannt wurde, war gewiss die treibende Kraft, die epische Feste im Gatsby-Stil zu Gipfeln der pulsierenden Lebensfreude avancieren ließ – oder eben Besucher in die „Flüsterkneipen“, die sogenannten Speakeasies lockte. Eine Hommage an diese einzigartige Zeit gibt es nun in Berlin zu entdecken, denn hier haben zwei Studenten den ersten deutschen „Moonshine“ ins Leben gerufen: O’Donnell Moonshine. Frei nach dem Motto „Der Geschmack der alten Zeit“, werden die Spirituosen im Hause O’Donnell nach traditionellem Verfahren zu verboten köstlichen Likören vermählt.

Doch wo früher beinahe alles gut genug schien, um den Selbstgebrannten zu verfeinern, erobern heute beste Zutaten die Spirituosenwelt. Originalgetreu ist dabei nicht nur das nostalgische Einmachglas, die „Mason Jar“, die den amerikanischen Bauern und Schmugglern ursprünglich beim Vertrieb der illegalen wie lukrativen Spirituosen als Tarnung diente. Der Name des Berliner Unternehmens erinnert dabei vor allem an die Widersacher des Bandenbosses Al Capone, die South Side O’Donnell Gang, die eine tragende Rolle beim illegalen Alkoholvertrieb im Chicago der 20er Jahre spielte. Heute braucht es glücklicherweise keine Gangs und Bandenkriege mehr, um die begehrten Tropfen auf den Markt zu bringen – hier entscheiden die Genießer, welcher Spirituose sie zu einer herausragenden Stellung verhelfen wollen.

Und die überschwängliche Freude neugieriger Spirituosenfans zeigt: Das Revival des „Moonshine“ ist alles andere als eine Schnapsidee! Ob als „O’Donnell Moonshine Original“, „Bitter Rose“ oder „Bratapfel“; Doppelkorn und Likör versetzen den genussaffinen Gaumen – pur oder als Longdrink – garantiert in freudige Ekstase!

Gründerteam

Wir haben die Gründer August Ullrich und Philip Morsink über ihre flüssige Versuchung ausgefragt:

Wie ist die Idee zum deutschen Moonshine entstanden? War es im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnaps-Idee oder bist du schon länger mit deiner Idee „schwanger gegangen“?

Die ursprüngliche Idee hatte August, da er in amerikanischen Zeitungen sehr viel über Moonshine gelesen hat und ihm aufgefallen ist, dass es hierzulande noch überhaupt keinen Moonshine gibt. Es war – wenn überhaupt – möglich, amerikanische Importe zu erwerben, die aber geschmacklich nicht unbedingt genießbar sind. So reifte dann nach und nach die Idee, einen deutschen Moonshine auf den Markt zu bringen, was sogar historisch nicht abwegig ist, da schon während der Prohibition deutscher Alkohol in die USA geschmuggelt wurde. Und außerdem, was gibt es Schöneres, als eine eigene Schnapsfirma zu haben? (lacht)

Edward O’Donnell vs. Al Capone – zwei Widersacher mit gleicher Mission. Warum trägt eure Marke den Namen des weniger bekannten Schurken?

Uns war O’Donnell einfach sympathischer, da er so etwas wie der Underdog war und ihn im Vergleich zu Al Capone fast niemand kennt, obwohl er mit seiner Bande während der Prohibition sehr erfolgreich war. Das macht es auch ein bisschen spannender, weil viele neugierig sind, wer dieser O’Donnell denn war.

Ihr wart noch Studenten, als ihr den Grundstein gelegt habt. Wie schwierig ist es, in dieser Lebensphase ein Start-Up zu gründen? Was muss man mitbringen, um seinen Traum vom eigenen Produkt in so jungen Jahren zu realisieren?

Man muss sehr motiviert sein und auch sehr viel Einsatz und Herzblut mitbringen und vor allem bereit sein, in vielen Bereichen kürzer zu treten. Vor allem finanziell ist so ein kleines Unternehmen eine große Belastung, da es lange dauert, bis letztlich Gewinne erzielt werden können. Trotzdem arbeitet man dafür unzählige Stunden in der Hoffnung, dass es irgendwann klappt. Funktionieren kann das nur, wenn man absolut von der Sache überzeugt ist, da es ein sehr langer und mühseliger Weg ist.

Habt auch ihr im Mondschein an der perfekten Rezeptur getüftelt?

Die ersten Test-Brennungen wurden bei einer Brennerei in Köln durchgeführt. Wir kommen ursprünglich beide aus Köln. Bis die perfekte Rezeptur für den Original, unser erstes Produkt, gefunden war, ging es eigentlich relativ schnell. Bei den beiden Likören Bitter Rose und Bratapfel hat es schon länger gedauert, da wir unzählige Proben hergestellt haben, bis wir letztlich mit dem Geschmack vollauf zufrieden waren. Dafür haben wir im Endeffekt viele Stunden in der Küche verbracht und verschiedenste Zutaten zusammen gemischt, bis wir eine Rezeptur gefunden haben, die wir an unsere Brennerei weitergeben konnten.

Dürfen wir weitere Geschmacksexplosionen aus dem Hause O’Donnell erwarten?

Auf jeden Fall! Schon im Mai werden wir eine etwas höherprozentige Variante auf den Markt bringen. Aber auch danach sollen noch ein paar neue, ggf. auch saisonale Produkte erscheinen.

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Wenn ihr euren Moonshine nicht pur trinkt, womit mixt ihr ihn dann am liebsten?

Wir haben uns 3 im Endeffekt sehr einfach Longdrinks (für jede Sorte einen) ausgedacht, die super schmecken. Bitter Rose mit Tonic und Eis, Bratapfel mit Spicey Ginger (Ginger Beer), einem Spritzer Angosturabitter und Eis sowie Original mit Apfelsaft, Basilikum und Eis.

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