Tischlein, deck dich – Die Kunst des Eindeckens

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Tischlein, deck dich – Die Kunst des Eindeckens

Sobald sich der Frühsommer  mit seinen ersten warmen Strahlen ankündigt, ist ihr Anblick ebenso wahrscheinlich wie Maikäfer: Hochzeitspaare. Im Park zum Fotoshooting, vor Standesämtern und Kirchen, in Restaurants und Eventlocations. Ein Tag des Freudentaumels, der Heiterkeit, Ergriffenheit – und der Etikette. Denn spätestens beim Blick auf die romantisch dekorierte, penibel eingedeckte Tafel wird klar, dass dieses Spiel auf strikte Regeln baut. Schnell macht sich eine leichte Unruhe breit. Denn in welcher Reihenfolge benutze ich nochmal das Besteck? Welches Glas ist für welches Getränk? Und überhaupt, wie muss ich selbst den Tisch beim nächsten runden Geburtstag korrekt eindecken? Nicht verzagen, DELINERO fragen! Als Ritter der Tafelrunde bringen wir Licht ins Dunkel. Wir verraten euch, woher die Tradition des festlichen Tischdeckens kommt und wie man’s richtig macht.

Vom liegenden Caesar zum französischen Adel

Wem haben wir die komplexen Regeln eigentlich zu verdanken? Die Entwicklung der Tischkultur ist tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt. Schon im alten Ägypten und Griechenland wurden Speisen strukturiert angerichtet und serviert. Malereien berichten von Krügen, Schalen und Platten bei den Ägyptern, sowie Bechern, Tellern und Löffeln, die bei den Griechen zu Tisch nicht fehlen durften. Die Römer hingegen ließen sich das Essen lieber im Liegen schmecken, nutzten aber schon Servietten und Messer zum Tranchieren.

In den rauen Zeiten des Mittelalters verkam die vornehme Tischkultur zunächst wieder. Das Krümelmonster hätte seine Freude gehabt: Mit den Fingern aß man aus Vertiefungen im Tisch, nur selten wurden Messer und einfache Gabeln genutzt. Die Italiener waren es schließlich, die 500 Jahre später Tischdecken und Gabeln zum allgemeinen Standard erhoben. Das Essen mit Messer und Gabel, wie es heute schon kleine Kinder lernen, setzte sich vermutlich in Frankreich durch. Zuerst nur vom Adel praktiziert, schwappten die Trends im 18. Jahrhundert ins Normalbürgertum. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die ersten komplexen Vorschriften zum Eindecken und manierlichen Verhalten an der Essenstafel. Auch spezielles Geschirr und Besteck, zum Beispiel für Fisch, genauso wie Suppenlöffel und Eierbecher, hielten Einzug.

Ready? – Die Vorbereitungen

Die erste Disziplin ist noch herrlich einfach und kreativ. Zunächst muss die Tafel nämlich vorbereitet und verschönert werden. Die Tischdecke, ganz klassisch natürlich eine weiße, wird auf dem Tisch ausgebreitet. Zum Schutz kommt zwischen Decke und Platte oft ein Molton, also ein Auflage, die die Geräusche dämpft. Dann heißt es: Dekorieren. Das Schöne: Von Blumen bis Kerzen ist alles erlaubt, was gefällt und zum Anlass passt.

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Europäisches Gedeck

Set? – Das Eindecken

Jetzt geht es ans Eingemachte! Für das korrekte Eindecken gilt es, sich behände an den Regeln entlang zu hangeln. Das einzelne Tischgedeck für jeden Gast heißt Couvert. Ihm sollte mindestens 70cm Platz zugestanden werden. Besser sind 80cm, damit sich die Tischnachbarn nicht eingeengt fühlen. Beim Eindecken beginnt man dann in der Mitte, die am besten mit einem Platzteller oder einer Serviette markiert wird.

In umgekehrter Menüfolge legt man das Besteck von innen (Hauptgang) nach außen (Vorspeise). Es schließt in einer Linie mit dem Platzteller ab, etwa eine Daumenbreite von der Tischkante entfernt. Schon früh haben wir eingetrichtert bekommen: Die Gabeln liegen links, Messer rechts, die scharfe Seite zeigt zum Teller. Zu den Messern gesellt sich zum festlichen Dinner oder Brunch und bei formellen Anlässen der Suppenlöffel. Zwischen den einzelnen Besteckstücken sollte man eine Postkartenbreite Platz lassen. Das Dessertbesteck liegt horizontal über dem Teller. Hier zeigt die Gabel nach rechts, der Löffel nach links. Der Griff ist dadurch immer in die Richtung ausgerichtet, die der hinterher verwendeten Hand entspricht. Je nachdem ob nach dem Essen ein süßes Dessert oder Käse gereicht wird, variiert das Besteck. Es gilt aber: Das „Gefährlichere“ ist näher am Teller. Also bei Messer und Gabel für Käseplatten das Messer, bei Löffel und Gabel die Gabel. Links oberhalb des Platztellers findet ein kleiner Brotteller samt Messer Platz. Auch hier zeigt die Schneide zum Teller.

Dann folgen die Gläser, die oberhalb der Messer arrangiert werden. Das sogenannte Richtglas ist in einer Linie mit dem Messer für den Hauptgang ausgerichtet. Dies ist meistens ein Rotweinglas. Das Glas für die Vorspeise, entsprechend oft ein Weißweinglas, wird im 45° Winkel zur Tischkante neben dem Hauptglas platziert.

Je nach Anlass und Tageszeit variiert diese klassische Eindeckung natürlich. Beim Frühstück zum Beispiel deckt man anstatt eines Brottellers den Eierbecher und statt der Weingläser Tasse und Untertasse. Und je weniger Gänge serviert werden, desto weniger Besteck liegt natürlich auf dem Tisch. Ganz schön viel zu beachten, oder? Dafür darf man nach getaner Arbeit aber umso mehr genießen!

Go! – Das Essen

Beim Anstoßen hält man, wie generell beim Trinken, die Weingläser am Stiel. Die Serviette zieht auf den Schoß um und wird nur zum Abwischen des Mundes (nicht etwa Schnäuzen!) verwendet. Von außen nach innen benutzt man entsprechend der Menüfolge das Besteck. Das wandert danach nicht zurück aufs Tischtuch, wo es womöglich Flecken hinterlässt, sondern auf den Teller. Gekreuzt bedeutet, dass man mit diesem Gang noch nicht fertig ist. Ist man satt und der Teller im Idealfall leer, ordnet man Messer und Gabel parallel. Vor allem sollte aber das Wichtigste natürlich nicht zu kurz kommen: der Genuss. Also lasst es euch schmecken, erfreut euch an den flüssigen und festen Köstlichkeiten und schwelgt in interessanten Gesprächen!

Quick-Guide – die wichtigsten Regeln kurz und knackig:

  • 70er: 70 Zentimeter Platz pro Gast und Couvert sind Minimum
  • Daumen: Etwa ein Zentimeter trennt Teller und Besteck vom Tischrand
  • Postkarte: Eine Kartenkante breit sollte der Abstand zwischen den Gepäckstücken betragen
  • Gefährliches zum Teller: Gilt für die Schneide der Messer und die Anordnung des Dessert-Bestecks
  • Von außen nach innen: Arbeitet man sich bei dem Besteck von der Vorspeise zum Hauptgang vor

 

Zu jedem Anlass & Menü das richtige Setting

Frühstück

Dem Frühstück sind keine Grenzen gesetzt. Von einer Tasse Kaffee mit einem Croissant bis hin zu einer Hauptmahlzeit. Das Klassische Frühstücksgedeck besteht aus einem Dessertteller, einem Brot & Butter Teller, Tasse und Untertasse, Saftglas, Messer, Kaffeelöffel, eventuell einer Gabel und einer kleinen Serviette.

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Lunch

Das „Lunch-Gedeck“ bietet die Grundlage, aus der alle weiteren Eindeckvarianten entstehen können. Lunch-Teller, Brot & Butter-Teller, Salat- und Essgabel, Messer, Teelöffel sowie ein Wasserglas und eine Serviette.

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Dinner

Das klassische Dinner – schlicht und alltagstauglich. Zusätzlich zum Lunch gehört beim Dinner ein Platzteller, ein Buttermesser sowie ein Weinglas auf den Tisch.

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Formal

Das formale Dinner-Gedeck: Obwohl man vielleicht denkt, dass man es nicht oft braucht, gibt es immer wieder Gelegenheiten, bei denen man wissen sollte, wie der Klassiker unter den Gedecken aufgebaut ist. Neben den Utensilien des „normalen“ Dinner-Gedecks dürfen ein zweites Weinglas, ein Champagnerglas, eine Tasse mit Untertasse wieso ein Salatteller und ein Suppenlöffel nicht fehlen.

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Brunch

Wie der Name schon verrät ist diese Mahlzeit die wunderbare Verschmelzung aus Breakfast und Lunch. Dasselbe gilt auch für das Eindecken des Tisches:  Neben dem Platzteller findet hier ein Weinglas seinen Platz neben dem Frühstücksgedeck.

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