Unser Knigge für die perfekte englische Tea Time

Dass die Engländer viel und gerne Tee trinken ist ja nun nichts Neues. Und natürlich können auch wir uns nachmittags eben mal lässig einen Beutel aromatischer Blätter in die Tasse hängen und es als „Tea Time” ausgeben, doch von einer echten britischen Tee-Zeremonie wären wir dann wohl so weit entfernt wie die Queen von einem Starbucks-Frappuccino. Beim typischen afternoon tea gibt es nicht nur heiße Teetassen, sondern auch so einige ungeschriebene Gesetze, an denen man sich bei Nicht-Wissen die Finger verbrennen kann. Und da es bei diesem nachmittäglichen Vergnügen ja schließlich darum geht, in geselliger Runde eine kleine Auszeit vom Alltag zu nehmen, schreiben wir nun ein paar der typisch englischen Gepflogenheiten nieder, damit der nächste Nachmittag gleich viel entspannter und mit britischer Eloquenz genossen werden kann.

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Zur rechten Zeit am rechten Ort

Diese Redewendung spielt auch bei der Tea Time eine tragende Rolle. Grundsätzlich unterscheiden die Engländer zwischen Afternoon und High Tea. Ersterer wird zwischen 15-17 Uhr ausgeschenkt und üblicherweise im Salon mit süßen und salzigen Häppchen gereicht. Der High Tea findet meist eher zu besonderen Anlässen zwischen 18-19 Uhr statt und ähnelt einem kalten Abendessen, zu dem man statt Wein oder Bier eben Tee am Esstisch genießt. Und wer stilecht beeindrucken will, beginnt am besten schon einmal damit, das Silbertablett zu polieren. Doch auch ohne Tafelsilber gilt: Beim englischen Teegenuss sind Gastgeberqualitäten gefordert! Der Gast darf sich keinesfalls selber nachschenken, wohl auch um unliebsames Klirren zu vermeiden. Auf dieses sollte man auch beim Umrühren des Tees tunlichst verzichten.

Der Dresscode

Tee wurde in England erst im 17. Jahrhundert aus China eingeführt und zunächst einmal entdeckte der feine Hochadel diese kostspielige Köstlichkeit für sich. Für diesen nachmittäglichen Luxus schlüpfte man auch schon gerne einmal in den feinen sonntäglichen Zwirn. Doch auch wenn sich die Kleidung der teilnehmenden Personen vielleicht mittlerweile etwas gewandelt hat und man nicht mehr mit Zylinder und Reifrock erscheinen muss, so sind die bevorzugten Teilnehmer in der Tasse immer noch kräftige Teesorten wie Assam oder Ceylon. Zu einer typischen Tasse Tee wird Milch und Zitrone gereicht. Hier ist erlaubt, was gefällt: Grundsätzlich gilt aber, dass kräftige Tees durch Milch gemildert werden, ein sanfter Darjeeling profitiert hingegen von frischer Zitrone. Verpönt ist, beides zu kombinieren, da Säure die Milch gerinnen lässt.

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Die feine englische Trink-Art

Entscheidet man sich letztendlich für Milch, dann ist es weniger von Bedeutung, ob nun die Milch zuerst in die Tasse gefüllt wird oder der Tee. Vermutlich galt früher Ersteres, da die kalte Milch das feine Porzellan vorm Zerspringen schützte. Wer sein Tässchen dann allerdings gefüllt hat, der sollte dieses nun nicht wie ein ausgetrockneter Marathonläufer herunterstürzen, sondern ganz behutsam genießen. Beim Trinken gilt es, Tasse und Untertasse nicht zu weit voneinander zu entfernen. Am besten hebt man das Porzellan bis auf Kinnhöhe und kippt die Tasse nur leicht an, um – ebenfalls geräuschfrei – zu trinken. Schlürfen ist bei der Teezeit absolut verpönt, genau wie das Ablecken der Teelöffels.

Die Begleiter

So angenehm die menschliche Begleitung zum Tee sein soll, so genussvoll und kreativ müssen auch die begleitenden Leckereien auf dem Tisch sein. Typisch und sehr beliebt sind vor allem Scones – kleine, süße Brötchen, die in der Regel mit Clotted Cream, einem dicken Rahm, und Marmelade oder dem typisch britischen Lemon Curd gespeist werden (Das Rezept für Scones findet ihr am Ende des Posts). Auch süßes Mürbeteiggebäck, das Shortbread, wird gerne zum Tee gereicht. Sowohl für salzige Sandwiches oder vegetarische Häppchen ist ebenfalls immer Platz an der Teetafel.

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Small Talk

Wir wollen nicht bestreiten, dass man nicht auch bei einer Tasse Tee wunderbare Geschäfte abschließen kann, doch vornehmlich dient die Tea Time der Entspannung und dem gesellschaftlichen Vergnügen. Ein gepflegter Small Talk ist also angebracht. Wer ein paar Anregungen braucht, der erzählt einfach noch einmal die Geschichte, wie die Tea Time in England eigentlich entstand, denn dieses Ritual gibt es dort erst seit dem 17. Jahrhundert. Und zwar aufgrund einer ziemlich hungrigen Herzogin, der Duchess von Bedford, namens Anna Stanhope. Zu ihrer Zeit war es noch üblich, nur zwei Mahlzeiten am Tag einzunehmen, und zwischen Frühstück und Abendessen verspürte sie angeblich stets ein sogenanntes „Untergangsgefühl“. Ein nachmittäglicher Tee sowie ein paar süße oder herzhafte Happen sollten sie fortan besser über den Tag bringen. Aus Unterzuckerung ein angesehenes Ritual kreieren – das können wohl nur die Engländer!

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Und mit diesem Rezept für leckere Scones wäre auch die Duchess mehr als glücklich gewesen:

Selbstgebackene Scones

 

  • 500 g Mehl
  • 2 Päckchen Backpulver
  • 125 g Zucker
  • 125 g weiche Butter
  • 150 ml Milch
  • 1 Eigelb
  1. Mehl, Backpulver, Zucker und Butter gut verrühren. 140 ml Milch nach und nach zügig darunterkneten und alles zu einem glatten Teig verarbeiten. Auf einer bemehlten Arbeitsfläche circa 1-2 cm dick ausrollen.
  2. 20 rund 5 cm große Kreise ausstechen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Das Eigelb mit der restlichen Milch verquirlen und die Scones damit bestreichen.
  3. Im vorgeheizten Backofen (Umluft 175 °C) rund 10-12 Minuten backen.

Am besten noch warm mit British Clotted Cream und Marmelade oder Lemon Curd genießen!

 

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